Farmleben in Tamworth- Mein Treffen in "downunder" mit Jojo Friedrich

So, hier der Bericht über meine zehn Tage Farmleben in Tamworth... Wie in meinem vorletzten Blogeintrag schon erwähnt, hat Jojo mich mitten in der Nacht in Tamworth an dem Greyhound-Busstop abgeholt und von da aus war es dann ca. 1 Stunde bis zur Farm in Leconfield. Zuerst war es eine normale Hauptstraße, aber nach ca. 25 Minuten ging es dann auf eine sogenannte "dirt road", also eine unbefestigte Straße, auf der wir dann besonders vorsichtig fahren mussten, da uns jederzeit Kängurus vor's Auto hätten springen können. Als wir dann um etwa 2 Uhr nachts auf der Farm ankamen, waren natürlich alle am Schlafen. Wir beide sind dann auch gleich ins Bett und haben noch ein bisschen geschnackt, bevor wir beide im Land der Träume versunken sind. Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, da um 8 Uhr der Arbeitstag beginnt und jeder der auf der Farm lebt bzw. arbeitet seine Aufgaben vom "boss" für den Tag mitgeteilt bekommt. Der "boss" der Farm heißt Brian, ist 89 Jahre alt und einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Zwar ist er manchmal etwas vergesslich und nicht mehr der Fitteste, doch er hat noch alles fest im Griff auf seiner heißgeliebten Farm, die er alleine aufgebaut hat. Ihm gehören 6000 acre, knapp 1000 Rinder, um die 20 Pferde, ein Hund namens Trixie, eine Milchkuh, die jeden Tag acht Liter Milch gibt und mit Hand gemolken wird sowie einige Schafe. Die Farm bietet zudem auch eine Schule an in der man innerhalb von zehn Tagen zum Cowboy bzw. Cowgirl (hier in Australien wird das Jackaroo bzw. Jillaroo genannt) ausgebildet wird. In diesen zehn Tagen lebt und arbeitet man auf der Farm, erledigt alles, was je nach Bedarf ansteht z.B. Zäune reparieren oder Rinder zählen und voneinander trennen (was "mustering" genannt wird und nach alter Tradition noch mit Pferden gemacht wird). Ich hatte die Möglichkeit an einem "mustering" teilzunehmen, was bedeutete, dass ich ca. 6 Stunden auf'm Pferd saß und meine vier Buchstaben sich am Ende des Tages auch dementsprechend angefühlt haben. Wir mussten zunächst 2 1/2 Stunden bis zum "paddock", also dem Feld reiten, wo die zu zählenden Rinder waren und haben dort dann nach einer kleinen Pause, die Rinder zusammengetrieben, um sie dann aufzuteilen. Kühe durch das eine Gatter, Kälber durch ein anderes, kastrierte Rinder wiederum durch ein anderes und die Bullen in das letzte verfügbare. Danach sind wir dann 2 1/2 Stunden zurückgeritten und ich war zwischenzeitlich nicht ganz sicher, ob ich es wirklich bis zur Farm schaffe. Ich konnte einfach nicht mehr sitzen... :D An den anderen Tagen habe ich mit Jojo, die im März die Cowgirl-Ausbildung in Leconfield gemacht hat und seitdem fest auf der Farm arbeitet, und zwei weiteren Arbeitern (Mikey, der echt ein richtig cooler "Aussie" aus Brisbane ist und Carla, die aus den Niederlanden kommt) in den Feldern gearbeitet. Manchmal haben wir alle Rinder in den "paddocks" gefüttert (was so ziemlich den ganzen Tag in Anspruch nimmt, wenn man bedenkt, dass man ein Gelände von 6000 acre abfahren muss und Hunderte von Rinder versorgen muss), an anderen Tagen haben wir Unkraut vergiftet, da dieses verhindert, dass das Gras richtig wachsen kann und wiederum an anderen Tagen haben wir Bäume vergiftet, da diese verhindern, dass das Gras richtig wächst. Also es ging meist darum, irgendetwas zu vergiften und zu sprühen, damit das Gras vernünftig wachsen kann :D An einem Sonntag sind wir dann nach Tamworth gefahren, um beim "team sorting" dabei zu sein, was hier sowas wie die Attraktion am Wochenende ist. Eine Gruppe von drei Reitern (egal welchen Alters) versucht durchnummerierte Rinder in der richtigen Reihenfolge durch ein Gatter zu treiben. Ein Reiter "bewacht" sozusagen das Gate und hat die Aufgabe, jedes Rind zu verscheuchen, was noch nicht an der Reihe ist. Wenn dann die anderen beiden Reiter, das Rind mit der richtigen Nummer in Richtung Gatter getrieben haben, muss der Bewacher natürlich schnell Platz machen, damit es nicht wieder im Gewusel verschwindet. Für das Sortieren von zehn Rindern, hat die Gruppe von Reitern gerade mal zwei Minuten. Und sobald ein Rind mit der falschen Nummer durch das Gatter rennt, ist es sowieso vorbei. Das war wirklich faszinierend anzusehen, da zum Teil kleine Kinder mit großen Pferden (also wirklich große!) teilnehmen und teilweise ziemlich erfahren und total relaxt wirken...es herrschte zudem eine tolle Atmosphäre und jeder hat jeden angefeuert. Auf der Farm gab es abends immer ein Lagerfeuer draußen, wo alle (Schüler und Arbeiter) zusammengesessen haben und Spaß gehabt haben. Während meiner Zeit in Tamworth war nur eine kleine Gruppe von Schülern da (gerade mal fünf, normal sind es wohl um die zehn), die aber alle sehr nett waren. Eine war eine vegetarische Schottin, einer war ein (deutschsprechender) Holländer, eine war Hamburgerin und die anderen beiden Australier ohne Benehmen. Es ist so witzig gewesen, anscheinend ist es hier normal durch die ganze Runde zu rülpsen (also richtig zu rülpsen, nicht nur aufzustoßen!) und teilweise sogar einen ziehen zu lassen, ohne auch nur einen Kommentar dazu abzugeben. An diesen Abenden am Feuer habe ich immer ewig in den Sternenhimmel gestarrt und nach Sternschnuppen Ausschau gehalten. Ich habe einen neuen Rekord von elf Sternschnuppen in einer Nacht aufgestellt! haha! Insgesamt war die Zeit in Leconfield wirklich phänomenal...es fiel mir schon ziemlich schwer Abschied zu nehmen, da ich alle schnell ins Herz geschlossen hatte. Das einzige, was ich ganz und gar nicht vermisse, ist die Kälte. Nachts ging es teilweise bis auf 0 Grad runter und das alte Farmhaus hatte nicht gerade die beste Isolierung, was bedeutete, dass es drinnen ungefähr so kalt war wie draußen. Nicht sehr angenehm, wenn man morgens aus dem kuscheligen Bett ins eiskalte Zimmer muss. Aber gut, so ist halt das Leben. Letztendlich gehörte das auch zu dem Lebensstil, der größtenteils auf den Farmen in der Umgebung von Tamworth gelebt wird. Da gibt's nicht schickimicki hier und schickimicki da. Es ist ein schlichter, einfacher Lebensstil, der diese zehn Tage hat besonders werden lassen. Ich bin unendlich dankbar für die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte und die Gastfreundschaft, die mir entgegen gebracht wurde. Als es dann in der Nacht vom 20.-21. Mai um 2.05 mit dem Greyhound-Bus von Tamworth wieder nach Sydney zurückgefahren bin, hatten mir der Aufenthalt auf der Farm ein Dauerlächeln auf die Lippen gezaubert. Genossen habe ich vor allem die Zeit mit Jojo und die vielen lustigen Momente, die wir gemeinsam hatten. Leider musste ich dann noch einige Zeit am Flughafen in Sydney totschlagen, was ein bisschen nervenraubend war, da ich nicht gut im Bus geschlafen hatte und ich bis zum Check-in noch ewig warten musste, sodass mir nichts anderes übrig blieb als rumzusitzen und Löcher in die Luft zu starren. Die Geschäfte zum Durchschlendern sind leider Gottes alle NACH dem Check-in. Lloyd hat mich dann kurz nach der Landung am Melbourner Flughafen abgeholt und zusammen sind wir dann nach Joel Joel zurückgedüst, wo ich dann todmüde nur noch ins Bett geplumpst bin. Das war's erstmal von mir, aber ihr könnt euch schon mal mental auf meinen Bericht über den Trip nach Cairns vorbereiten Bis bald (noch 19 Tage! -> die Vorfreude steigt!!!) Eure Sophia

14.6.13 07:20

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Deine Oma Ilse (15.6.13 17:05)
Liebe Sophia,
ich packe gerade meinen Koffer und freue mich auf zwei Wochen Sonne, Strand, Palmen und Freizeit.

Ich möchte mich nochmal kurz bei dir Melden. Wie geht es dir? Wie war dein Tauchlehrgang? Ich freue mich auf ein Wiedersehen.
Anfang Juli sehen wir uns, noch eine schöne Zeit und einen guten Flug. Ich denke oft an dich. Pass gut auf dich auf.

Deine Oma Ilse


(15.6.13 23:29)
Liebe Sophia!


(15.6.13 23:38)
Nochmal...liebe Sophia!

Das was du erlebt und beschrieben hast ist unglaublich und diese Erlebnisse kann dir keiner und nichts in der Welt wieder nehmen!!!!! Ich hoffe, dass du all diese wundervollen Ereignisse und Bilder fest in deinem herzen weiter trägst....auch wenn du sehr bald wieder in der Heimat bist!

Ich vermute, dass du nach deiner Zeit in Australien sehr viel mit auf deinen weiteren Lebensweg nehmen kannst und wirst! Du trägst nun einen ganz besonderen Schatz in dir den du dir so verdient hast!!!!

Ich freue mich auf die Zeit wenn du wieder unter uns bist und wieder an unserem Alltag teilnimmst!

Ich freue mich so dich wieder in die Arme zu nehmen!!!!

Liebe Drücker

deine Mama!!!!!!!!!!!!!! Bussi

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